Kann die neue HOAI für Planungsqualität sorgen?

Die Printversion der G+L hat eine neue Rubrik: Seit Januar 2021 fassen wir jeden Monat in einer Presseschau die wichtigsten, interessantesten oder kuriosesten Neuigkeiten aus der Planung kurz und knapp zusammen. Lesen Sie hier, was es in die G+L 10/21 geschafft hat – inklusive Quellen und weiterführenden Links.

Brücke der Hoffnung in London. Im Boomquartier am Londoner Bahnhof King’s Cross haben die Architekt*innen von Moxon eine neue Fußgänger*innenbrücke über den Regent’s Canal errichtet. Das elegante Stahl­bauwerk vermittelt zwischen Tradition und Moderne. Damit greift es ein Leitmotiv des Entwicklungsprojektes auf dem ehemaligen Bahnareal auf. Mehr dazu hier.

Hyperloop in Deutschland. Elon Musk baut nicht nur Raketen und Elektro­fahrzeuge, sondern denkt mit seinem Hyperloop über eine ganz neue Art des Transports nach. Mit der Kapsel, die in beinahe Lichtgeschwindigkeit durch eine lange Röhre saust, hat Musk Forschende weltweit in Begeisterung versetzt. Auch hierzu­lande werfen Fans der Idee all ihr kreatives Können und wissenschaftliches Wissen zusammen, um die Vision Wirklichkeit werden zu lassen. Wie der Stand ist und welche Hindernisse es dabei zu überwinden gilt, lesen Sie hier.

Kann die neue HOAI für Planungsqualität sorgen? Der Bund deutscher Architektinnen und Architekten (BDA) widerspricht dem. Für den Verband bedroht der Wegfall von Mindest- und Höchst­sätzen der HOAI fundamental die deutsche Baukultur. Die Novelle der HOAI ist seit dem 01.01.2021 in Kraft. Dass es sich die Bundes­regierung damit zu einfach gemacht hat, davon ist der BDA überzeugt. Lesen Sie hier, welche alternativen Vorschläge es gibt.

Great ­Barrier Reef in ­Gefahr

BBSR Raum­ordnungsbericht 2021 erschienen. Ende Juni 2021 legte das Bundesinstitut für Bau-, Stadt und Raumforschung den neuen Raumordnungsbericht vor. Wir haben Ihnen die wichtigsten Erkenntnisse hier zusammengefasst.

Smart Cities: Neue Transferstelle. Digitalisierung ist nicht nur einer der Megatrends für Unternehmen, auch Kommunen und Stadtverwaltungen müssen sich nach und nach auf digital umstellen. Eine dafür geschaffene Transferstelle soll die Kommunen nun beim Wandel hin zu Smart Cities unter­stützen. Die Bundesregierung möchte so die Digitalisierung deutscher Städte vorantreiben. Mehr dazu auf hier.

Great ­Barrier Reef in ­Gefahr. Schon wieder zeigen sich die Folgen des Klimawandels. Im letzten Sommer sorgten Brände für Schlagzeilen. Nun sind es die Korallen, die unter der Hitze leiden. Das bekannte Great Barrier Reef schrumpft massiv. Das zeigt eine neue Studie. Alles dazu hier.

Rakotzbrücke frisch restauriert

Bahnhof Altona: Neuer Fernbahnhof im Bau. Für 550 Millionen Euro sollen auf einer fast 20 Fußballfelder großen Fläche des Bahnhofs Altona in Hamburg 1 900 Wohnungen und ein Park entstehen. Kritik wird derweil laut an den rasant gestiegenen Kosten für den Bau des neuen Regional- und Fernbahnhofs Altona an der S-Bahn-Station Diebsteich. Alles zum Projekt lesen Sie auf hier.

Rakotzbrücke frisch restauriert. Eines der bekanntesten Wahrzeichen der Lausitz ist frisch renoviert. Nach jahrelanger Sanierung strahlt die Rakotzbrücke wieder. Das spektakuläre Brückenbauwerk ist ein wichtiges Highlight im großen Azaleen- und Rhodo­dendronpark im Osten von Sachsen. Hier mehr zum Projekt.

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Rigole: Innovative Entwässerungskonzepte

Rigolen dienen als unterirdische Speicherstrukturen, die das Regenwasser aufnehmen und langsam wieder abgeben. Credit: Wikicommons

Die zunehmende Urbanisierung und der Klimawandel stellen Städte weltweit vor enorme Herausforderungen im Bereich der Entwässerung. Starkregenereignisse und steigende Fluten gefährden die Infrastruktur und die Lebensqualität der Bewohner. Eine innovative Lösung zur Bewältigung dieser Herausforderungen sind Rigolen, die sich immer mehr als nachhaltige Entwässerungslösungen etablieren. Sie bieten eine umweltfreundliche Möglichkeit, überschüssiges Regenwasser zu speichern und kontrolliert abzuleiten.

Was sind Rigolen?

Rigolen sind unterirdische Speicherstrukturen, die überschüssiges Regenwasser aufnehmen, speichern und langsam wieder abgeben. Sie bestehen aus einer Schicht von durchlässigem Material, das es dem Wasser ermöglicht, in den Boden zu versickern, statt es in die Kanalisation zu leiten. In vielen Fällen sind Rigolen als Teil eines versickerungsfähigen Entwässerungssystems konzipiert, das auch natürliche Ressourcen wie Boden und Pflanzen in den Wasserhaushalt mit einbezieht.

Im Wesentlichen handelt es sich bei Rigolen um versickerungsfähige Regenwasserspeicher, die in städtischen Gebieten als effiziente Lösung zur Entwässerung und Flutprävention dienen. Sie bestehen typischerweise aus folgenden Bestandteilen:

  1. Einlasssysteme: Diese leiten das Regenwasser in die Rigole. Das kann über Rinnen, Schachtabdeckungen oder Kanäle geschehen.
  2. Speicherbereich: Dieser Teil der Rigole besteht aus einem durchlässigen Material wie Schotter oder Kies, das das Wasser speichert und für die Versickerung vorbereitet.
  3. Filter- oder Geotextilschicht: Diese Schicht verhindert das Eindringen von Schmutz oder Sedimenten, die das System verstopfen könnten.
  4. Auslasssystem: Ein kontrollierter Ablauf ermöglicht die langsame und dosierte Abgabe des Wassers in den Boden oder in die Kanalisation, um Überlastungen zu vermeiden.

Wie funktionieren Rigolen?

Rigolen arbeiten nach einem einfachen, aber effektiven Prinzip: Sie sammeln überschüssiges Regenwasser und leiten es in den Boden, wo es entweder versickern kann oder nach und nach in das Grundwasser abfließt. Das Prinzip basiert auf der natürlichen Fähigkeit des Bodens, Wasser zu filtern und zu speichern.

  1. Wasseraufnahme: Regenwasser wird über die Einlasssysteme in die Rigole geleitet.
  2. Speicherung: Das Wasser wird in den durchlässigen Speicherschichten der Rigole gesammelt, die es vorübergehend speichern, während es auf die Versickerung wartet.
  3. Versickerung: Das Wasser versickert langsam in den Boden, wodurch der Druck auf die Kanalisation und die Gefahr von Überschwemmungen reduziert wird.
  4. Langsame Abgabe: Falls die Speicherkapazität der Rigole überschritten wird, sorgt der Auslass dafür, dass das überschüssige Wasser kontrolliert abfließt.

Die Geschwindigkeit der Versickerung hängt von der Bodenbeschaffenheit und der Kapazität der Rigole ab. Durch diese langsame und gezielte Abgabe wird der Wassermengenabfluss reguliert und gleichzeitig das Risiko von Erosion und Überschwemmungen minimiert.

Vorteile von Rigolen für die nachhaltige Entwässerung

Die Nutzung von Rigolen zur Entwässerung städtischer Gebiete bietet zahlreiche Vorteile:

  1. Vermeidung von Überschwemmungen: Rigolen verringern die Belastung der städtischen Kanalisation, da sie einen Teil des Regenwassers aufnehmen und die Abflüsse verzögern. Dadurch wird das Risiko von Überschwemmungen nach Starkregenereignissen verringert.
  2. Förderung der Grundwasserneubildung: Durch die Versickerung des Regenwassers wird das Grundwasser aufgefüllt, was besonders in Gebieten mit Wasserknappheit von Bedeutung ist.
  3. Reduzierung der Belastung für die Kanalisation: Rigolen verringern die Notwendigkeit, teure und energieintensive Abwassersysteme auszubauen, da sie den Wasserabfluss effizient steuern und die Belastung der Kanäle mindern.
  4. Förderung der Biodiversität: Die Speicherung von Regenwasser kann zur Begrünung von städtischen Flächen und zur Förderung von Grünflächen führen, was das Stadtklima verbessert, und die Lebensqualität erhöht.
  5. Kosteneffizienz: Im Vergleich zu herkömmlichen Entwässerungssystemen sind Rigolen kostengünstiger, da sie wenig Wartung benötigen und einfach in städtische Infrastrukturen integriert werden können.

Integration von Rigolen in den urbanen Raum

Die Integration von Rigolen in den urbanen Raum erfordert eine sorgfältige Planung und Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten. In Städten, in denen der Boden wenig durchlässig ist oder in denen der Platz begrenzt ist, müssen alternative Lösungen wie Rigolen mit wasserdurchlässigen Betonplatten oder speziellen Materialien erwogen werden, die eine gute Wasseraufnahme ermöglichen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Kooperation zwischen Stadtplanern, Ingenieuren und der Bevölkerung. Oftmals müssen Rigolen in Kombination mit anderen nachhaltigen Entwässerungslösungen wie Gründächern, Regentonnen oder Versickerungsmulden eingesetzt werden, um eine umfassende Lösung für die Regenwassernutzung zu schaffen.

Beispiele erfolgreicher Rigolen-Installationen

  1. Köln, Deutschland: In Köln wurden Rigolen in verschiedenen Stadtteilen installiert, um die Kanalisation zu entlasten und Überschwemmungen bei Starkregen zu verhindern. Ein besonders erfolgreiches Beispiel ist das „Grüne Band“ in Köln, wo Rigolen Teil eines umfassenden Entwässerungskonzepts sind, das auch Grünflächen und nachhaltige Stadtentwicklung berücksichtigt.
  2. New York City, USA: In New York wurden Rigolen in mehreren Stadtteilen als Teil des Projekts „Green Infrastructure“ integriert. Dies hat zu einer erheblichen Reduzierung der Oberflächenabflüsse geführt und dabei geholfen, die Kanalisation in Spitzenzeiten zu entlasten.
  3. London, Großbritannien: In London wurde das „Sustainable Drainage Systems (SuDS)“-Programm ins Leben gerufen, bei dem Rigolen in mehreren Neubaugebieten und öffentlichen Plätzen installiert wurden. Dies trägt dazu bei, den Wasserabfluss zu steuern und die Auswirkungen von Starkregen zu mildern.
  4. Singapur: Singapur hat Rigolen als Teil seiner umfassenden Strategie zur Verbesserung des urbanen Wassermanagements eingeführt. Hier werden Rigolen oft mit anderen Lösungen wie Regenwasserspeichern und Gründächern kombiniert, um die Stadt gegen Überschwemmungen zu wappnen.

Fazit

Rigolen sind eine vielversprechende Lösung für die nachhaltige Entwässerung von Städten, die durch Starkregen und Urbanisierung zunehmend mit Überschwemmungen zu kämpfen haben. Sie bieten nicht nur ökologische Vorteile, indem sie die Wasseraufnahme und -speicherung im Boden fördern, sondern tragen auch zur Verringerung der Belastung von Kanalisation und Infrastruktur bei. Die Integration von Rigolen in städtische Entwässerungssysteme ist ein wichtiger Schritt in Richtung einer nachhaltigen und klimaresilienten Stadtentwicklung.

Mehr zum Thema und unserer Kampagne STOP THE FLOOD hier. 

„The Invisible Street“ von Vogt Landschaftsarchitekten

Ausstellungseröffnung am 5. Mai

Ausstellungseröffnung am 5. Mai (Foto: © Till Budde)

Vogt Landschaftsarchitekten kuratieren Ausstellung in Berlin: In der Architektur Galerie Berlin findet noch bis zum 11. Juni die Ausstellung „The Invisible Street“ statt. Die große Frage der Ausstellung lautet: Was ist eine Straße? Präsentiert werden Ergebnisse explorativer Erkundungen in Paris, Berlin, London und Zürich.

Die Straße ist ein öffentlicher Raum des Alltags. Jeden Tag nutzen ihn tausende Menschen auf vielfältige Weise. Dabei ist die Straße weit mehr als nur eine verknüpfende Linie von A nach B. Auch wenn sie beim täglichen Gang zur Arbeit – gerade im motorisierten Straßenverkehr – diese Transitfunktion einnehmen mag. Die Bedeutung der Straße für das Stadtbild und somit auch für das soziale Gefüge einer Stadt wird auf vielen Ebenen unterschätzt. Vogt Landschaftsarchitekten wollen das mir ihrer Ausstellung „Die unsichtbare Straße“ ändern. Darin tragen sie Kamera- und Tonaufnahmen zusammen, aus denen die Komplexität des Systems Straße sich zusammensetzt. Es wird die wechselseitige Beziehung diverser Faktoren wie Flora, Fauna, Geräusch und Geruch beleuchtet. Die Eröffnung der Sammlung fand am Donnerstag, den 05. Mai, mit einer Einführung durch den Soziologen und Stadtforscher der ETH Zürich, Christian Schmid, statt. Zu sehen ist die Ausstellung bis zum Samstag, den 11. Juni in der Architektur Galerie Berlin.

Explorationen in Paris, London, Zürich und Berlin

Um sich dem Thema anzunähern, wählten Vogt Landschaftsarchitekten vier exemplarische Untersuchungsräume aus, die sie anschließend bis ins kleinste Detail zu erfassen versuchten. Die Standorte liegen in den Hauptstädten Frankreichs, Großbritanniens, der Schweiz und Deutschlands. Die Auswahl kommt dabei nicht von ungefähr. In allen Städten unterhält Vogt Landschaftsarchitekten Büroniederlassungen. Vor Ort wählten sie bekannte Straßenzüge aus, die sie mit Lupe, Fernrohr, Kamera und Mikrofon im Sinne eines Field-Trips dokumentierten. Vogt Landschaftsarchitekten spricht von einer provokativen Exploration des Straßenraumes. Und auch Besucher*innen in der Ausstellung können die Avenue des Champs-Élysées in Paris, die Whitechapel Road in London, die Bahnhofstrasse in Zürich und die Karl-Marx-Allee in Berlin auf ungewöhnliche Art und Weise erfahren. Im wahrsten Sinne des Wortes soll das Publikum einen Blick hinter den Vorhang werfen, um so das primär nicht Sichtbare selbst zu entdecken. Die Herangehensweise und der Ausstellungsaufbau verdeutlichen die Haltung und Arbeitsweise von Vogt Landschaftsarchitekten.

Fusion von Wissenschaft und Gestaltung

Dabei steht der Austausch zwischen verschiedenen Disziplinen ebenso im Vordergrund wie ein wissensbasierter Entwurfsprozess. Seit 2005 lehrt und forscht Günther Vogt an der ETH Zürich. Die Zusammenkunft von Wissenschaft und Praxis im Büro verleiht Projekten eine sinnhafte Tiefe. Im Vogt Case Studio finden Forschung und Ausstellung zueinander. In der Vergangenheit konnten bereits andere spannende Expositionen kuratiert werden. Die neue Ausstellung will nun ein Licht auf den Paradigmenwechsel in der Wahrnehmung des Straßenraumes werfen. Obwohl die Straße einst als Repräsentation der Vielseitigkeit und Intensität des urbanen Lebens galt, fände sie in der zeitgenössischen Planung kaum mehr Beachtung. Nach 1945 lag der Fokus auf dem Wiederaufbau, daran anschließend kam das Paradigma der autogerechten Stadt auf.  Die Gestaltung und Nutzbarkeit für den Menschen außerhalb des Automobils war dabei Nebensache. Nun sei die Zeit gekommen, den Raum neu zu bewerten. Als wesentliches Element der Stadt müssten die innewohnenden Potentiale zukünftig deutlich mehr ausgeschöpft werden.

Vogt Landschaftsarchitekten wollen Wahrnehmung schärfen

Der Straße sollten wieder die Aufgaben eines sozialen Raumes zugestanden werden.  Das Freiraumgefüge der Stadt besteht schließlich nicht nur aus Parks, Grünanlagen und Plätzen. Das feine Netz aus Wegen, das alle diese Komponenten verbindet, ist ebenso bedeutsam. Die Ausstellung versucht, den Besucher*innen diese Bedeutsamkeit wieder bewusst zu machen. Klimangepasste Planung sieht Vogt Landschaftsarchitekten dabei als wesentliches Schlagwort. Nur durch einen Wandel in der Ausgestaltung des Straßenraumes könne das Ziel einer nachhaltigen und lebenswerten Stadt erreicht werden. Die Position des Büros vertritt Günther Vogt auch bei einer Diskussion vor Ort, am Donnerstag, den 09. Juni, gemeinsam mit der Architektin Silvia Malcovati von der FH Potsdam und dem Verleger Lars Müller. Ein Besuch der Ausstellung ist Dienstag bis Freitag von 14 bis 19 Uhr und Samstags von 12 bis 18 Uhr möglich. Zeit, sich selbst ein Bild zu machen und die unsichtbare Straße in der eigenen Wahrnehmung um das primär nicht Sichtbare zu erweitern.

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