Markus Spiske via Unsplash

Weihnachten 2021: Der G+L Award

Weihnachten ist die Zeit „Danke“ zu sagen. Da wir für irgendwelche Marketingaktionen aber jetzt eh viel zu spät sind, mussten wir uns etwas Besseres einfallen lassen. Und tada – das ist er: der erste G+L Award 2021. Als kleines, unterhaltsames Dankeschön anlässlich Weihnachten 2021 haben wir in der G+L Redaktion in sieben unterschiedlichen Kategorien unter anderem das Planungsbüro 2021 gekürt. Ach ja, und so nebenbei geben wir dabei auch zwei Hinweise auf das Büro, das 2022 die G+L gastkuratieren wird. Wer errät es als Erste*r?

Morgen ist Weihnachten! Hatten Sie dieses Jahr auch solche Probleme die richtigen Weihnachtsgeschenke zu finden wie wir in der Redaktion? Es war ja die Jahre zuvor schon nicht leicht, durch die Pandemie scheint aber alles noch komplizierter geworden zu sein. Also, liebe Leser*innen, da haben wir uns gedacht: Wenn uns schon nichts für unsere eigene Familien einfällt, dann können wir in der Redaktion zumindest versuchen Ihnen eine Freude zu bereiten.

Aus diesem Grund haben wir zur allgemeinen Unterhaltung kurzfristig den G+L Award 2021 ausgerufen. Die Jury: niemand kompetenteres als die G+L-Redaktion höchstpersönlich. Das Schöne: Sie, liebe Leser*innen, Sie müssen weder aufwendige Wettbewerbsunterlagen einreichen noch eine entsprechende Wettbewerbs-Fee zahlen. Sie bekommen einfach nur den Fame – und hoffentlich drei Minuten Lesezeit beste Unterhaltung. Wir haben hierfür die folgenden Kategorien festgelegt:

„Sie haben alles falsch gemacht, was man Januar 2021 falsch machen kann.“

Starten wir doch mit etwas Leichtem. In der Kategorie 1 „Die besten Leser*innen der Welt“ gewinnen – große Überraschung: die G+L Leser*innen – ob print oder digital. Sie sind uns einfach die Liebsten. Was wir besonders großartig an Ihnen finden: Sie bleiben kritisch. So bekamen wir beispielsweise Anfang des Jahres eine E-Mail zu einem Artikel aus der Januarausgabe 2021. Die Frage des Artikels war: Braucht die Verwaltung einen Change-Prozess? Unsere Antwort war nein – zu unserer eigenen Überraschung. Dennoch erregte der Artikel die Gemüter. In einer Leser*innen-Mail stand, wir respektive ich als Chefredakteurin hätte in dem Artikel alles falsch gemacht, was man im Januar 2021 falsch machen könnte.

Hören Sie nicht auf uns zu kritisieren

Ich gebe zu: Da musste auch mein sehr kritikfähiges Herz einmal kurz durchschnaufen. Das Ergebnis der über meinen Text erzürnten Mail war jedoch ein offenes, konstruktives Telefonat mit einem Berliner Verwaltungsbeamten zu der Entwicklung, den Möglichkeiten und den Perspektiven der deutschen Stadtverwaltung. Durch diesen Text und die besagte Mail hatte ich also die Möglichkeit mit jemanden ins Gespräch gekommen, den ich vermutlich nie kennengelernt hätte und durfte dabei auch noch so viel lernen (auch über meine eigene Kritikfähigkeit). Es folgt im Jahr 2021 weitere – positive wie negative – Leser*innenbriefe und für die möchten wir uns bedanken. Danke, dass Sie so aufmerksam sind, unsere Arbeit so nah begleiten und gleichzeitig aber auch den Kontakt zu uns suchen. Das ist großartig. Hören Sie nicht auf uns zu kritisieren, lassen Sie uns weiterhin offen und direkt miteinander sprechen.

Der Wettbewerb des Jahres

Die Stadt des Jahres

Keine einfache Kategorie! Und wir durften dieses Jahr über so viele spannende Wettbewerbs- und Award-Entscheidungen berichten. Da war natürlich zum einen die Entscheidung zum Deutschen Landschaftsarchitektur-Preis 2021, den Lohaus · Carl · Köhlmos mit nach Hause nahmen. Oder auch der DAM Preis 2021, den MVRDV mit ihrem Projekt Werk 12 gewannen. Der Rosa Barba Prize ging an Michael van Valkenburg und das Projekt Brooklyn Bridge Park. Planorama bekam den Zuschlag für die Landesgartenschau Schweinfurt 2026Rheinufer Bonn! Der LILA Honor Award 2021 ging an Snøhetta. Und Hähnig + Gemmeke gewannen den Zuschlag zum städtebaulichen und freiraumplanerischen Wettbewerb vom Fliegerhorst Erding. Aber der Wettbewerbsbeitrag, der uns in der Redaktion wohl am nachhaltigsten beschäftigte, war der zum Freiraumwettbewerb Rathaus- und Marx-Engels-Forum in Berlin. Hier setze sich das Team von Stephan Lenzen gegen 52 weitere Arbeiten durch. Alles zum Wettbewerbsentwurf lesen Sie hier: Marx-Engels-Forum.

Kein bisschen leichter: die Kategorie 3 „Die Stadt des Jahres“. Aktuell wären wir geneigt zu sagen: München. Bekamen wir gerade in der Redaktion die Info, dass München die Auszeichnung „PRIDE CHAMPION“ gewonnen hat. Die Stadt nahm im Rahmen des PRIDE Index 2021, einer deutschlandweiten Befragung aller großen Arbeitgeber*innen zu „Diversität und LGBTIQ+ am Arbeitsplatz“, teil und erhielt eine Silber-Auszeichnung. Zudem war München dieses Jahr tagelang in den Medien, als es darum ging die Münchner Allianz Arena im Juni als Protestaktion in den Regenbogenfarben erleuchten zu lassen. Das Thema der bunten Stadt beschäftigte uns dieses Jahr auch mehrfach in der Redaktion – wir haben eine ganze Ausgabe hierzu gemacht (G+L 06/21 „Die bunte Stadt“). Aber nein, die Stadt des Jahres 2021 sind für uns mehrere Städte. Und zwar die, die dieses Jahr das Deutschen Institut für Urbanistik als Klimaaktive Kommunen 2021 auszeichnete. Welche das sind, das lesen Sie hier: Klimaaktive Kommune 2021.

Das Kunstprojekt des Jahres

Die Veröffentlichung des Jahres

Auf Instagram bekannte sich der Streetart-Künstler Banksy dieses Jahr im Sommer in einem Video zu neuen Werken an der englischen Ostküste. Die Info sorgte für Furore. Ein Kunstwerk in der ostenglischen Gemeinde Great Yarmouth wurde jedoch umgehend überstrichen. Banksy wäre tatsächlich ein heißer Anwärter.
Spannend war auch die Ausstellung „Life“ in der Fondation Beyeler in der Schweiz (April bis Juli 2021). Hierfür flutete der dänische Installationskünstler Olafur Eliasson einen Großteil der Ausstellungsräumlichkeiten und verband den Innen- mit dem Außenraum.
Aber nein, in der Kategorie 4 „Das Kunstprojekt des Jahres“ können wir dieses Jahr nur den einen als Gewinner nennen. Christo und sein Projekt „L’Arc de Triomphe, Wrapped“ in Paris. Seit den 1960er-Jahren hatte Christo mit seiner Frau Jeanne-Claude an der Idee gearbeitet. 2021 war es dann endlich soweit, knapp 1,5 Jahre nach seinem eigenen Tod. Hier geht’s nochmal zu den Bildern aus dem Herbst: Arc de Triomphe Christo.

Ach, in dieser Kategorie hier könnte man so viel nennen. Sämtliche Publikationen des Deutschen Instituts für Urbanistik fanden wir spannend: zum Beispiel die, die gemeinsam mit der Bertelsmann Stiftung zur Stadt der Zukunft entstand. Oder zu Radverkehr und Verkehrswende oder auch den Leitfaden „Städte nachhaltig planen und bauen“. Und oh Mann, über wie viele tolle Bücher durften wir in unseren Heften berichten! „Food Urbanism“ von Craig Verzone, „Im Schatten von Design“ von Michael Erlhoff, „Urban Design Methods“ von Undine Giseke, Martina Löw, Angela Million, Philipp Misselwitz und Jörg Stollmann oder auch „Corona und die Städte“ von Ingrid Krau.

Beeindruckend: die Arbeit von Vanessa Lapa

Aber trotz allem, trotz all diesen wirklich guten und durchdachten Veröffentlichungen hat uns in der Redaktion der Dokumentarfilm „Speer goes to Hollywood“ eben doch am nachdenklichsten gemacht. Er ist damit unser Gewinner in der Kategorie 5 „Die Veröffentlichung des Jahres“. Auf der Basis von bislang unveröffentlichten Filmaufnahmen des britischen Drehbuchautors Andre Birkin von Albert Speer entwickelte die Regisseurin Vanessa Lapa einen neuen Dokumentarfilm, der im November 2021 in die deutschen Kinos kam. Albert Speer skizziert sich in den Aufzeichnungen als „guten Nazi“. Eine Filmbeschreibung finden Sie hier: Albert Speer.

Das Büro des Jahres

„Machen ist wie Wollen, nur krasser“

Okay, wer steht zur Wahl für diese Kategorie 6? Planorama definitiv – das Berliner Büro machte dieses Jahr durch zahlreiche, sehr imposante Wettbewerbsentscheidungen von sich reden. bauchplan ).( natürlich – gemeinsam mit dem Kollektiv mit Sitz in Wien, München und Köln durften wir schließlich dieses Jahr im Rahmen der gastkuratierten Ausgabe zusammenarbeiten. Unser neues Webmagazin 52 Thesen zur Stadtentwicklung ist ein Folgeprodukt dieser Kooperation. Franz Reschke – Mann, was haben die an Wettbewerbserfolgen dieses Jahr gehabt? Unsere Kollegin Vera Baeriswyl hatte anlässlich ihrer Gewinnersträhne ein Interview in der G+L 10/21 geführt.

Natürlich wären da auch noch Lohaus · Carl · Köhlmos zu nennen, die eben den Landschaftsarchitektur-Preis 2021 gewannen. mahl gebhard konzepte sowie Latz+Partner sahnten wiederum den Bayerischen Landschaftsarchitekturpreis 2020 ab. Oder auch relais Landschaftsarchitekten! Sie waren verantwortlich für die Gestaltung der Landesgartenschau Überlingen und gewannen hiermit den Landschaftsarchitekturpreis Baden-Württemberg 2021. Aber nein. Hier ist die Wahl für uns ganz klar. Für uns in der G+L-Redaktion sind es capattistaubach aus Berlin. Und nein, das liegt nicht daran, dass ein geplantes Projekt von capattistaubach 2021 eines unserer Cover zierte (das der G+L 10/21 zum Heftthema „Gebäudegrün“). Wirklich beeindruckt hat uns das Gespräch mit Tancredi Capatti und Matthias Staubach, das wir mit den beiden Planern zur 4-Tage-Woche führen durften. Nach dem Motto „Machen ist wie Wollen, nur krasser“ hat das Büro vor rund einem Jahr von fünf Arbeitstagen auf vier umgestellt. Doch überzeugen Sie sich hier selbst: 4 Tage Woche.

Die Planer*innen des Jahres

2022 – die gastkuratierte G+L Ausgabe macht dieses Büro

Zahlreiche Personen und Büros der Landschaftsarchitektur und Stadtplanung feierten 2021 tolle Erfolge. Sich hier auf eine Person festzulegen, fällt uns schwer. Besonders beeindruckt hat uns aber definitiv dieses Jahr eine Landschaftsarchitektin, die wir hier auch nochmal gesondert hervorheben wollen: Andrea Gebhard. Andrea Gebhard wurde 2021 nicht nur zur neuen Präsidentin der Bundesarchitektenkammer gewählt. Sie zählte mit ihrem Büro zudem zahlreiche Erfolge – wie zum Beispiel der oben genannte Bayerische Landschaftsarchitekturpreis. Das Projekt Baumkirchen Mitte erhielt zudem eine Auszeichnung beim Deutschen Landschaftsarchitektur-Preis 2021. Zum Jahresabschluss erhielt Andrea Gebhard zudem den Architekturpreis 2021 der Stadt München. Wir sagen auch hier nochmal: Herzlichen Glückwunsch.

Liebe Leser*innen, der G+L Award 2021 ging hiermit in die erste Runde. Welche Kategorien sollen wir kommendes Jahr vergeben? Haben Sie Ideen? Und was haben wir Weltbewegendes vergessen? Schreiben Sie uns gerne an redaktion@garten-landschaft.de. Wir würden uns freuen. Allen voran wünschen wir Ihnen nun aber Frohe Weihnachten, bleiben Sie gesund und wir freuen uns auf das kommende Jahr mit Ihnen. Was uns dann erwartet? Unter anderem eine weitere gastkuratierte Ausgabe. Sie wollen schon mal raten, welches Büro die Novemberausgabe 2022 der G+L gestalten wird? Okay, wir geben folgende zwei Hinweise: Erstens „Dickes B“ und zweitens „eine Landschaft des bewegten Denkens“. Na? Wer kommt drauf?

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Round about nature – Entwurfsstudio „Into the Wild“

Visualisierung der Steganlage in der Wiese. Grafik: Marlene Werner
Visualisierung der Steganlage in der Wiese. Grafik: Marlene Werner

Statt dem Menschen herrschen im Entwurf „Round about Nature“ die Tiere über den Prenzlauer Berg. Der Entwurf von Marlene Werner – entstanden im Rahmen des Entwurfsstudios „Into the Wild“ der TU Berlin – gibt der Natur große Teile des Volksparks Prenzlauer Berg zurück. Der Mensch wird dabei zum respektvoll Beobachtenden, der auf Pfaden und Stegen zu Gast bei Mutter Natur ist.

Nicht nur in unserer Septemberausgabe 2023 machen wir Raum für Projekte aus dem Studium. Auch auf unserer Webseite stellen Studierende ihre eigenen Arbeiten selbst vor – zum Beispiel in diesem Beitrag. Die Projekte finden Sie alle auf unserer Themenseite „Studium“ und die Septemberausgabe gibt’s in unserem Shop.

Zwei Zonen im Volkspark – eine für Tiere, eine als Puffer

Der Entwurf „Round about nature“ nimmt die wild lebenden Tiere des Volksparks Prenzlauer Berg als Hauptakteure wahr. Den Tieren wird in dem Park ein geschützter Raum gegeben, wo sie ungestört vom Menschen leben können. Im Inneren des Parks werden dafür nahezu alle Bestandswege entfernt. Für die Haupterschließung bleibt ein bestehen.

Durch den Rundweg entstehen zwei Zonen im Volkspark – die Tierzone innerhalb des umfassenden Wegs und eine Art Pufferzone außerhalb des Rundwegs. In der Pufferzone ist eine Hundauslauffläche sowie ein Spielplatz verortet. Die Besucher*innen des Volksparks können sich hier frei bewegen.

Ein Aussichtsturm für das Gefühl der Höhe

In der Tierzone sind die Menschen an vorgegebene Wege gebunden, welche an drei besondere Aufenthaltsflächen anschließen: Im Dickicht – Zwischen den Gräsern – Auf dem Berg. Diese drei Flächen heben die vielfältigen Bereiche des Parks mit ihren unterschiedlichen Charakteren hervor. So geht man „Im Dickicht“ des Walds auf schmalen Pfaden eng an dichtem Gebüsch und hohen Bäumen vorbei. Punktuell gibt es Stationen, an denen man die Tiere und Pflanzen mit verschiedenen Sinnen wahrnehmen kann.

In der Wiesenfläche des Volksparks befindet man sich auf einem leicht erhöhten Steg gefühlt „Zwischen den Gräsern“. Mithilfe der Steganlage spaziert man ohne direktes Betreten inmitten der Wiese und kann diesen besonderen Lebensraum erleben.

Neben dem großen Waldareal und der Wiese, ist die Topografie ein kennzeichnendes Merkmal des Parks. In diesem Entwurf wird einer von zwei bestehenden Berggipfeln für die Besucher*innen betretbar gelassen. „Auf dem Berg“ wird das Gefühl der Höhe durch einen Aussichtsturm noch mehr verstärkt. Von dort hat man einen Ausblick über den Park sowie eine Sichtachse zur Innenstadt Berlins.

Piktos Aufenthaltsflächen. Grafik: Marlene Werner
Piktos Aufenthaltsflächen. Grafik: Marlene Werner

Mensch und Tier – alle Nutzer*innen gleichermaßen mitbedenken

Diese drei Aufenthaltsorte geben den Menschen die Möglichkeit, den Park zu erleben und mit der Natur vor Ort in Kontakt zu kommen, ohne diese zu zerstören. Unerwünschtes Betreten der „wilden“ Areale wird durch räumliche Abgrenzungen unterbunden. Mit natürlichen Materialien, wie Holz, Naturstein und Benjeshecken, soll eine deutliche Trennung entstehen.

Der Rundweg wird mit einem Betonband eingefasst, welches sich gelegentlichen zu Sitzmöglichkeiten herausformt. Diese Einfassung ist nur einseitig, auf der Seite der Tierzone, vorgesehen. Eine Abgrenzung zur Pufferzone ist nicht geplant. Dadurch soll den Besucher*innen subtil verdeutlicht werden, welche Bereiche im Park frei betretbar sind und welche nicht.

Im Entwurf wird beispielhaft auf bestimmte Zielarten eingegangen. Durch die Planung sollen diese einen sicheren Lebensraum erhalten, welcher für die jeweilige Art alle lebensnotwendigen Bedürfnisse erfüllt. Der Volkspark soll somit zu einem Park für Tier und Mensch werden, in welchem alle Nutzer*innen gleichermaßen mitbedacht und berücksichtigt werden.

Piktos Neuordnung des Volkparks. Grafik: Marlene Werner
Piktos Neuordnung des Volkparks. Grafik: Marlene Werner

Der Entwurf entstand im Rahmen des Entwurfsstudios „Into the Wild“ an der TU Berlin. Mehr über die Hintergründe des Studios und den Volkspark Prenzlauer Berg lesen Sie hier, und weitere Entwürfe von Studierenden gibt’s hier zu entdecken.

Stadtplanung als Schulfach? – Bildungspolitik trifft Baukultur

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Urbanes Stadtleben mit Stau und architektonischer Skyline, fotografiert von Bin White





Stadtplanung als Schulfach? – Bildungspolitik trifft Baukultur



Stadtplanung als Schulfach? Klingt nach Utopie, nach zu viel Fantasie – oder nach einem echten Gamechanger für unsere gebaute Umwelt. Was, wenn junge Menschen schon in der Schule lernen, Städte zu verstehen, Freiräume zu gestalten und Baukultur kritisch zu betrachten? Bildungspolitik und Baukultur treffen sich selten auf Augenhöhe – höchste Zeit, das zu ändern. Dieser Artikel zeigt, warum es für die Zukunft unserer Städte keinen Weg an der Stadtplanung in der Schule vorbeiführt, welche Chancen und Stolpersteine lauern und wie ein solches Fach die Stadt von morgen prägen könnte.

  • Hintergründe: Warum Stadtplanung als Schulfach heute relevanter ist denn je
  • Bildungspolitische und gesellschaftliche Argumente für eine Verankerung der Baukultur im Curriculum
  • Internationale Beispiele und Pilotprojekte: Wo Stadtgestaltung bereits erfolgreich in Schulen gelehrt wird
  • Potenziale für Nachhaltigkeit, Beteiligungskultur und Demokratiebildung
  • Herausforderungen: Bildungsföderalismus, Lehrermangel, Curriculumentwicklung
  • Risiken: Vereinfachung komplexer Zusammenhänge, politische Vereinnahmung, Überforderung der Schulen
  • Vorschläge für die konkrete Umsetzung und Integration in bestehende Bildungsstrukturen
  • Langfristige Auswirkungen auf Stadtentwicklung, Baukultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt
  • Fazit: Stadtplanung als Schulfach – das unterschätzte Fundament für die Stadt von morgen

Warum Stadtplanung in die Schule gehört – Zeitdiagnose und Notwendigkeit

Wer heute durch deutsche, österreichische oder schweizer Städte schlendert, erlebt sie in vielen Facetten: Mal sind sie einladend und lebendig, mal zersiedelt, versiegelt, unübersichtlich oder schlicht langweilig. Dass die Gestaltung unserer Städte kein Zufallsprodukt ist, sondern Ergebnis komplexer Planungs- und Entscheidungsprozesse, dringt bis heute kaum ins öffentliche Bewusstsein. Noch weniger wird jungen Menschen in der Schule vermittelt, was Stadtplanung, Baukultur und Landschaftsarchitektur für ihr eigenes Leben bedeuten. Während Klimawandel, Flächenknappheit, soziale Spaltung und Mobilitätsfragen die großen Themen unserer Zeit sind, bleibt die Frage, wie Städte funktionieren und wie sie besser werden können, im Schulalltag schlicht unterrepräsentiert.

Die schulische Vermittlung von Stadtplanung ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz bisher ein Nischenthema. Hierzulande dominiert ein Kanon aus Mathematik, Deutsch und Fremdsprachen, während Baukultur und Stadtentwicklung höchstens punktuell in Geografie, Kunst oder Gesellschaftslehre angerissen werden. Das ist erstaunlich, denn gerade die gebaute Umwelt prägt die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen tagtäglich. Ob Spielplatz, Schulweg, Wohnviertel oder Stadtpark – überall begegnen sie den Ergebnissen von Planungsprozessen, ohne diese einordnen oder kritisch hinterfragen zu können.

Die Notwendigkeit, Stadtplanung als Schulfach zu etablieren, ergibt sich nicht zuletzt aus den dramatisch steigenden Anforderungen an nachhaltige Entwicklung, Partizipation und Resilienz. Wer morgen in einer Stadt leben will, die auf Klimaneutralität, Mobilitätswende und soziale Integration setzt, muss schon heute lernen, wie solche Ziele planerisch umgesetzt werden können. Bildung für nachhaltige Entwicklung bleibt ohne einen Blick auf die gebaute Umwelt Stückwerk. Hier kann schulische Stadtplanung Brücken schlagen.

Zugleich wächst das Bewusstsein, dass Baukultur mehr ist als schöne Fassaden oder Denkmalschutz. Sie umfasst das Zusammenspiel von Architektur, Freiraumgestaltung, Infrastruktur, sozialem Miteinander und kultureller Identität. Doch wie kann ein Kind lernen, Baukultur wertzuschätzen, wenn sie nie Thema im Unterricht ist? Ein fundiertes Schulfach Stadtplanung könnte genau hier ansetzen und einen transdisziplinären Ansatz verfolgen, der Kunst, Technik, Gesellschaft und Ökologie verknüpft.

Der Zeitpunkt für diese Debatte könnte günstiger nicht sein. Die junge Generation ist so politisiert wie selten zuvor, sie protestiert für Klimaschutz und fordert Mitsprache. Gleichzeitig erleben Schulen einen Innovationsdruck, der nach neuen, relevanten Inhalten verlangt. Die Integration von Stadtplanung als Schulfach wäre nicht nur ein bildungspolitischer Meilenstein, sondern ein gesellschaftlicher Quantensprung – für eine informierte, handlungsfähige Stadtgesellschaft von morgen.

Schule als Laboratorium der Stadt – Chancen für Baukultur und Demokratie

Stellen wir uns vor: Schülerinnen und Schüler entwickeln im Unterricht eigene Quartiersmodelle, analysieren den Schulhof aus Perspektive der Inklusion, simulieren Verkehrsflüsse, gestalten grüne Dächer oder organisieren Beteiligungsprojekte im eigenen Stadtteil. Was heute wie eine utopische Vision klingt, wird in einigen internationalen Pilotprojekten bereits erfolgreich praktiziert. In Dänemark, Finnland oder den Niederlanden haben Ansätze, die gebaute Umwelt und Stadtgestaltung als festen Unterrichtsgegenstand zu verankern, längst Einzug gehalten. Die Ergebnisse sind erstaunlich: Kinder und Jugendliche werden nicht nur kreativer und selbstbewusster, sondern entwickeln auch ein tiefes Verständnis für räumliche Zusammenhänge und gesellschaftliche Verantwortung.

Ein Schulfach Stadtplanung bietet die Chance, Baukultur als Querschnittsthema zu etablieren. Dabei geht es nicht um verstaubte Theorie oder die Vermittlung trockener Gesetzestexte, sondern um lebendige Projekte, die Städte als gemeinsame Lebensräume begreifbar machen. Durch die Analyse und Gestaltung der eigenen Umgebung erfahren Schülerinnen und Schüler, wie ihre Lebenswelt gestaltet wird – und wie sie diese aktiv mitprägen können. Demokratiebildung wird so nicht als abstraktes Prinzip vermittelt, sondern am eigenen Lebensraum konkret erfahrbar.

Die Vorteile eines solchen Ansatzes liegen auf der Hand: Wer früh lernt, wie Entscheidungen über Bebauungspläne, Grünflächennutzung oder Verkehrsführung getroffen werden, ist später als Bürger engagierter und kompetenter. Beteiligungskultur wird nicht verordnet, sondern eingeübt. Gleichzeitig fördert das Fach die dringend benötigte MINT-Kompetenz, indem es Mathematik, Informatik, Technik und Naturwissenschaften mit gesellschaftlichen Fragestellungen verknüpft. Nachhaltigkeit, Klimaanpassung und Ressourcenschonung werden nicht nur theoretisch behandelt, sondern im Kontext der eigenen Stadt praktisch erlebbar.

Ein weiterer Aspekt, der nicht unterschätzt werden darf: Stadtplanung als Schulfach kann dazu beitragen, Berührungsängste mit Architektur, Landschaftsarchitektur und Bauwesen abzubauen. Gerade in Deutschland, wo Planungsprozesse oft als intransparent und elitär gelten, könnte das frühzeitige Erlernen planerischer Grundprinzipien langfristig zu einer breiteren, diverseren und kreativeren Nachwuchsgeneration in den Planungsberufen führen. Gleichzeitig profitieren auch andere Disziplinen von einer gestärkten Baukulturkompetenz – von der Politik über die Verwaltung bis zur Wirtschaft.

Schließlich ist die Schule als Laboratorium der Stadt geradezu prädestiniert, innovative Beteiligungsformate zu erproben. Planspiele, digitale Stadtmodelle, partizipative Entwurfsprozesse oder Exkursionen machen die Stadtplanung greifbar. Wer schon als Jugendlicher erlebt, wie spannend und relevant Stadtgestaltung sein kann, wird später mit größerer Wahrscheinlichkeit Verantwortung für den eigenen Lebensraum übernehmen – als engagierter Bürger, als Planer oder als politischer Akteur.

Herausforderungen und Stolpersteine – von Bildungsföderalismus bis Curriculum

So verlockend die Idee klingt, Stadtplanung als Schulfach einzuführen, so groß sind auch die Hürden auf dem Weg dorthin. Die erste große Baustelle ist der Bildungsföderalismus, der in Deutschland bekanntlich jede Reform zu einer Geduldsprobe macht. Während einige Bundesländer bereits zaghafte Schritte in Richtung Baukulturvermittlung gehen, fehlt eine bundesweit einheitliche Strategie. In Österreich und der Schweiz sieht es nicht viel anders aus: Die Zuständigkeiten für Curricula, Lehrpläne und Fächer liegen bei Ländern, Kantonen oder sogar einzelnen Schulen. Eine koordinierte Einführung eines neuen Schulfachs gleicht somit einer Herkulesaufgabe.

Hinzu kommt der akute Lehrermangel, der sämtliche Innovationen im Schulsystem erschwert. Wer soll Stadtplanung unterrichten? Gibt es genügend Fachkräfte mit planerischem, architektonischem und didaktischem Know-how? Fortbildungen, Studiengänge und Zertifikate müssten geschaffen werden, um einen qualifizierten Lehrkörper aufzubauen. Zudem müssten bestehende Lehrer für die Bedeutung von Baukultur sensibilisiert werden – kein Selbstläufer in einem ohnehin überlasteten System.

Auch die Entwicklung passender Curricula ist alles andere als trivial. Stadtplanung ist ein interdisziplinäres Feld, das von Technik bis Soziologie, von Umweltwissenschaft bis Kunst reicht. Wie lassen sich die vielfältigen Themen in altersgerechte, praxisnahe und zugleich wissenschaftlich fundierte Unterrichtseinheiten übersetzen? Welche Kompetenzen sollen vermittelt werden? Sollen die Inhalte verpflichtend oder als Wahlfach angeboten werden? Und wie lässt sich eine sinnvolle Verknüpfung mit bestehenden Fächern wie Geografie oder Kunst herstellen, ohne diese zu verwässern?

Ein weiteres Risiko ist die Gefahr der Überforderung – sowohl der Schulen als auch der Schülerinnen und Schüler. Stadtplanung ist komplex, oft konfliktbeladen und mit politischen oder wirtschaftlichen Interessen verflochten. Wie gelingt es, die Komplexität zu vermitteln, ohne zu vereinfachen oder zu indoktrinieren? Hier braucht es kluge Didaktik, die sowohl kritische Reflexion als auch Kreativität und Problemlösungskompetenz fördert.

Nicht zuletzt ist die politische Dimension zu beachten: Wer bestimmt, welche Inhalte vermittelt werden? Droht die Vereinnahmung durch bestimmte Lobbys oder politische Strömungen? Die Unabhängigkeit und Neutralität des Fachs müssen ebenso garantiert werden wie seine Anschlussfähigkeit an aktuelle stadtgesellschaftliche Debatten. Die Integration von Stadtplanung ins Curriculum ist also kein Selbstläufer, sondern verlangt langen Atem, Engagement – und einen klaren politischen Willen.

Von der Idee zur Umsetzung – Wege in die schulische Baukultur

Wie könnte der Weg zu einem flächendeckenden Schulfach Stadtplanung konkret aussehen? Zunächst bedarf es mutiger Pilotprojekte, die zeigen, wie Baukulturvermittlung in der Praxis funktionieren kann. Modellschulen, Kooperationen mit Universitäten, Architekturbüros oder kommunalen Planungsämtern könnten als Innovationslabore dienen. Hier ließen sich neue Unterrichtsformate, digitale Tools oder partizipative Projekte erproben und wissenschaftlich begleiten. Die Erfahrungen aus diesen Pilotprojekten sollten systematisch ausgewertet und in die breite Debatte eingebracht werden.

Eine zentrale Rolle spielt die Fort- und Weiterbildung des Lehrpersonals. Fachübergreifende Seminare, digitale Lernplattformen oder Zertifikatsprogramme könnten helfen, Lehrkräfte fit für die Vermittlung von Stadtplanung zu machen. Gleichzeitig sollten Berufsverbände, Kammern und Hochschulen ihre Expertise einbringen, um praxisnahe Materialien und Unterrichtseinheiten zu entwickeln. Die enge Zusammenarbeit zwischen Bildungspolitik, Wissenschaft und Praxis ist hier der Schlüssel zum Erfolg.

Auch die Integration in bestehende Fächer ist ein möglicher Weg, um Stadtplanung schrittweise ins Curriculum zu holen. Projektwochen, Wahlpflichtkurse oder fächerübergreifende Module können als Türöffner dienen, bevor ein eigenständiges Schulfach etabliert wird. Wichtig ist dabei die kontinuierliche Evaluation und Anpassung der Inhalte – Stadtplanung entwickelt sich dynamisch, gesellschaftliche Herausforderungen ändern sich rasch. Flexibilität und Innovationsfreude sind gefragt.

Darüber hinaus müssen auch außerschulische Lernorte und digitale Formate stärker genutzt werden. Stadtspaziergänge, Planspiele, Virtual-Reality-Modelle oder Beteiligungsplattformen bieten vielfältige Möglichkeiten, die gebaute Umwelt greifbar und erlebbar zu machen. Gerade in einer zunehmend digitalisierten Welt kann die Verbindung von analogem und virtuellem Lernen neue Perspektiven eröffnen – und die Begeisterung für Baukultur nachhaltig wecken.

Letztlich steht und fällt der Erfolg mit politischem Willen und gesellschaftlicher Unterstützung. Bildungspolitiker, Kommunen, Planer und Eltern müssen gemeinsam an einem Strang ziehen, um das Thema Stadtplanung aus der Nische zu holen. Es braucht Lobbyarbeit, Öffentlichkeitsarbeit und einen langen Atem. Doch der Aufwand lohnt sich: Die Ausbildung einer neuen Generation von Stadtbewohnern, die ihre Umwelt versteht, gestaltet und schützt, ist das beste Fundament für eine lebenswerte, resiliente und nachhaltige Stadt der Zukunft.

Langfristige Wirkung – Stadtplanung als Fundament der Stadtgesellschaft

Die Einführung von Stadtplanung als Schulfach hätte tiefgreifende Auswirkungen auf die Gesellschaft, weit über den Bildungsbereich hinaus. Sie würde ein neues Bewusstsein für Baukultur, Nachhaltigkeit und Partizipation schaffen – und damit das Fundament für die Stadt von morgen legen. Wer als Kind oder Jugendlicher lernt, wie Städte entstehen, wie Interessen abgewogen werden und wie man sich einbringen kann, wird später eher Verantwortung für die eigene Umgebung übernehmen. Das stärkt nicht nur die Demokratie, sondern auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Langfristig würde eine breite Baukulturkompetenz die Qualität von Stadtentwicklung, Architektur und Landschaftsplanung verbessern. Planerische Fehlentwicklungen, intransparente Prozesse und Akzeptanzprobleme könnten reduziert werden, weil die Bevölkerung besser informiert und aktiver beteiligt ist. Städte würden resilienter auf Krisen reagieren, nachhaltiger wachsen und lebenswerter werden. Die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts – Klimawandel, Ressourcenknappheit, soziale Spaltung – lassen sich nur mit einer informierten und engagierten Stadtgesellschaft meistern.

Auch die Planungsberufe selbst würden profitieren. Ein Schulfach Stadtplanung könnte dazu beitragen, mehr junge Menschen für Architektur, Landschaftsarchitektur, Stadtplanung oder Ingenieurwesen zu begeistern. Die Diversität der Planungsdisziplinen würde gestärkt, neue Perspektiven und kreative Lösungen könnten entstehen. Gleichzeitig würde die Wertschätzung für die oft unterschätzte Arbeit der Planer in Politik und Öffentlichkeit steigen.

Die Integration von Stadtplanung in den Schulunterricht wäre zudem ein klares Bekenntnis zur Bedeutung der gebauten Umwelt für das Gemeinwohl. Städte sind mehr als Verkehrsadern und Immobilienmärkte – sie sind Lebensräume, soziale Bühne und kulturelles Erbe zugleich. Wer das früh versteht, wird später sorgsamer, innovativer und verantwortungsbewusster mit ihnen umgehen.

Am Ende geht es um nicht weniger als die Zukunftsfähigkeit unserer Städte. Bildung ist der Schlüssel dazu. Stadtplanung als Schulfach kann der Hebel sein, um das große gesellschaftliche Ziel einer nachhaltigen, demokratischen und lebenswerten Stadt für alle zu erreichen. Es ist höchste Zeit, den Mut aufzubringen und diesen Schritt zu wagen.

Fazit: Stadtplanung als Schulfach – kein Luxus, sondern Notwendigkeit

Stadtplanung als Schulfach ist keine abgehobene Vision mehr, sondern eine bildungs- und gesellschaftspolitische Notwendigkeit. Die Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft verlangen nach einer neuen Generation von Stadtbewohnern, die ihre gebaute Umwelt versteht, kritisch reflektiert und aktiv mitgestaltet. Durch die Integration planerischer, architektonischer und landschaftsbezogener Inhalte in den Schulunterricht können zentrale Kompetenzen für Nachhaltigkeit, Demokratie und Baukultur frühzeitig vermittelt werden. Die Umsetzung ist anspruchsvoll, aber machbar – wenn Politik, Bildung und Planung an einem Strang ziehen. Am Ende steht die Chance auf eine Stadtgesellschaft, die nicht nur Häuser baut, sondern Zukunft gestaltet. Garten und Landschaft bleibt Ihr Kompass auf diesem spannenden Weg – mit Expertise, Leidenschaft und einem klaren Blick für die Stadt von morgen.