Das Bild das im Januar 2021 um die Welt ging: Bernie Sanders mit Handschuhen und Klappstuhl (Meme: Redaktion Garten + Landschaft).
Das Bild das im Januar 2021 um die Welt ging: Bernie Sanders mit Handschuhen und Klappstuhl (Meme: Redaktion Garten + Landschaft).

Allein durch das Ende der Ära Merkel wird das Jahr 2021 in die Geschichtsbücher eingehen. Aber auch in der Landschaftsarchitektur und Stadtplanung ist unfassbar viel passiert. Für Sie blicken wir hier zurück auf 365 Tage 2021 voller spannender Projekte, mutiger Menschen und – einem Haufen Probleme. Der Jahresrückblick 2021.

Jahresrückblick 2021 – keine Zeit rumzujammern

Wir wollten lauter sein, mutiger und den Finger noch stärker in die richtigen Wunden legen. Das waren die Neujahrsvorsätze, die wir in der Januarausgabe 2021 der G+L (Thema „Zukunft Planung“) formuliert hatten. Nun, ein Jahr später, stellen wir fest: Nice, wir müssen uns für 2022 keine neuen Vorsätze merken. Die alten haben weiterhin Bestand. Irgendwie ist das jedoch auch echt traurig. Als ob man keinen Schritt weitergekommen wäre.

Aber blicken wir der Wahrheit ins Gesicht: Die Planungsdisziplinen kämpfen weiterhin mit zahlreichen Herausforderungen – insbesondere mit den Folgen des Klimawandels. Der ist ein Jahr später – wie sollte es auch anders sein – immer noch ein ziemliches Problem. Gleichzeitig sind Landschaftsarchitektur und Stadtplanung, also die Disziplinen, die eigentlich in puncto Klimawandel und Klimaanpassung recht viel bewirken könnten, im öffentlichen Diskurs weiterhin sehr leise. Die Ereignisse der Hochwasserkatastrophe 2021 führten uns die große Stille dieses Jahr brutal vor Augen. Allen voran aber auch der Verlauf der Diskussionen und Schuldzuweisungen danach. Im Rahmen dieser großen Debatten nimmt die Verantwortung der Planung, aber natürlich auch die unsere, die der Fachmedien, nicht ab. Dementsprechend heißt es jetzt auch für uns in der G+L Redaktion: Nicht rumjammern, weitermachen und aus dem Vergangenen lernen. Das führt uns zu der Frage: Was können wir aus dem letzten Jahr lernen? Werfen wir einen Blick zurück.

Alles begann mit einem Mann in Handschuhen

Corona. Natürlich. 2021 war – ähnlich wie 2020 zuvor – allen voran geprägt von den schwerwiegenden Folgen und Herausforderungen der Pandemie. Gleichzeitig gab es auch unzählig viele sehr positive Neuigkeiten – aus der Planung und abseits davon. Zum Beispiel wurde Joe Biden am 20. Januar 2021 als 46. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika vereidigt. Das tatsächliche Highlight dabei war jedoch nicht der Wechsel der US-amerikanischen Führungsspitze von Donald Trump zu Joe Biden, sondern vielmehr ein Mann in Handschuhen – Bernie Sanders, dessen Bild von der Amtseinführung (warum auch immer) mit tausenden Memes viral ging. Bereits zur Live-Übertragung der Zeremonie kursierten erste Photoshop-Kunstwerke, die Sanders inklusive Sitzgelegenheit in abstrusen Situationen zeigten. Der Stein war ins Rollen gebracht, die Bernie-Sanders-Memes vom Januar 2021 entwickelten sich zum Momentum.

Jahresrückblick 2021: Latz+Partner und mahl gebhard unter den Gewinner*innen

Manche mögen sagen Joe Bidens Inauguration kam zu spät – aber vielleicht war 2021 auch einfach nur das „Besser spät als nie“-Jahr schlecht hin? Schließlich konnten 2020 zahlreiche Veranstaltungen und Events aufgrund der Corona-Pandemie nicht stattfinden. Den Großteil hiervon holte man deshalb 2021 nach. Darunter zum Beispiel auch die IBA Basel EXPO. Mit dieser fand die Internationale Bauausstellung IBA Basel 2020 auf dem Vitra Campus in Weil am Rhein mit einem Jahr Verspätung ihren offiziellen Abschluss. Auch nachgeholt wurde die Landesgartenschau Ingolstadt. Ebenso konnten erst 2021 die Preisträger*innen des ersten Bayerischer Landschaftsarchitektur-Preis 2020 verkündet werden: Latz+Partner sowie mahl gebhard konzepte. Und auch der Deutsche Städtebaupreis 2020 wurde erst 2021 verliehen. Er ging nach Berlin. Die Jury zeichnete im April 2021 das Quartier am ehemaligen Blumengroßmarkt mit dem ersten Platz aus.

And the LILA Honour Award 2021 went to …

Fast pünktlich wiederum öffnete die BUGA Erfurt ihre Tore. Sie begeisterte 1,5 Millionen Besucher*innen. Daneben fanden zudem die Landesgartenschau Überlingen sowie die Gartenschau Lindau statt. Und die Gestaltung von relais Landschaftsarchitekten in Überlingen war so gut – sie nahm sogar auch noch den ersten Landschaftsarchitekturpreis Baden-Württembergs mit nach Hause. Den Deutschen Landschaftsarchitekturpreis 2021 wiederum gewann das Büro Lohaus Carl Köhlmos mit ihrem Projekt Westpark Augsburg. Den Award „Gärten des Jahres 2021“ erhielten hingegen das Büro Petra Pelz Design-natürlich und GartenLandschaft Berg & Co. GmbH für den Garten „Ein Teil der Pflanzenwelt“ bei Hannover. Weitere spannende Gewinner*innen 2021? Das waren auch Snøhetta. Das norwegisch/US-amerikanische Büro durfte nicht nur gemeinsam mit unseren Kolleg*innen vom BAUMEISTER eine eigene Ausgabe gastkuratieren: den Snøhetta Baumeister. Sie erhielten darüber hinaus den LILA Honour Award 2021. Und ein weiteres Highlight war außerdem der diesjährige Pulitzerpreis. Der US-amerikanische Medienpreis ging an eine Architektin – Alison King. Puh, ganz schön viel!

Abschied von Urgesteinen der Berliner Stadtplanung im Jahresrückblick 2021

Im April 2021 erhitzte der gescheiterte Mietendeckel Berlin die Gemüter. Das Bundesverfassungsgericht hatte den Mietendeckel ein paar Wochen zuvor als unzulässig und verfassungswidrig erklärt. Mehrere zehntausende Berliner Haushalte waren und sind immer noch von hohen Nachzahlungen betroffen. Der Senat bot Überbrückungshilfen an. Die Lage blieb aber bis zum Jahresende angespannt. In einem anschließenden Volksentscheid stimmten die Berliner*innen dafür, Immobilienkonzerne mit mehr als 3 000 Wohnungen zu vergesellschaften. Laut Berliner Zeitung will der Berliner Senat aber erst 2023 hierzu entscheiden, wenn eine Expert*innenkommission seine Empfehlungen erarbeitet hat.
Das Jahr 2021 brachte Berlin zudem viele lokalpolitische Veränderungen. Die langjährige Senatsbaudirektorin Regula Lüscher beendete im Juli 2021 ihre Tätigkeit in Berlin und ging in den Ruhestand. In der neu gegründeten Regierung unter der designierten OB Franziska Giffey sollen zudem die Bereiche Stadtentwicklung und Umweltschutz in einem Ausschuss vereint werden.

Hauptstadtnews – nur ein Highlight des 2021 Jahresrückblick

Aus Berlin kamen im Jahr 2021 auch eine Reihe spannende Informationen zu angedachten, in Planung steckenden und realisierten Stadtentwicklungsprojekte. Eine Auswahl haben wir Ihnen hier für den 2021 Jahresrückblick zusammengefasst (und by the way: dass sich auch architektonisch in Berlin einiges getan hat und noch tut, zeigten unsere Kolleg*innen von BAUMEISTER bereits mit ihrer Januarausgabe 2021 zu Berlin).

Wettbewerbsentscheidung Mühlendammbrücke

Im Juli 2021 stimmte das Preisgericht mit großer Mehrheit für den Vorschlag der gemeinsamen Bewerbung des Berliner Ingenieurbüros Arup Deutschland GmbH und der Architekten von COBE A/S aus Kopenhagen. Alle weiteren Infos hier: Mühlendammbrücke.

Wettbewerbsentscheidung Quartier Pankower Tor

2 000 Wohnungen sollen auf dem Neubauviertel zwischen dem S- und U-Bahnhof Pankow und Prenzlauer Promenade entstehen. Der Siegerentwurf kommt aus der Feder der Architekturbüros Nöfer und CKSA – gemeinsam mit unter anderem Fugmann Janotta Landschaftsarchitekten. Alles dazu lesen Sie hier: Pankower Tor.

Wettbewerbsentscheidung Rathaus- und Marx-Engels Forum

RMP Stephan Lenzen gewannen 2021 zudem den Freiraumwettbewerb Rathaus- und Marx-Engels-Forum in Berlin: Das Büro setzte sich gegen weitere 52 Arbeiten durch. Mehr dazu hier: Marx-Engels Forum.

Zukunft Berlin Tegel

Die Start- und Landebahnen in Berlin Tegel liegen seit der Öffnung von Flughafen BER still. Die Nachnutzung von Gelände und Gebäuden in Berlin Tegel sind aber bereits in Planung. Mehr zur Zukunft des Areals hier: Berlin Tegel.

Eröffnung Berlin Südpanke

In Berlin ist die Südpanke außerdem wieder erlebbar. Lange lag der Fluss verrohrt unter der Erde. Nun bildet er das Rückgrat des neuen Grünzugs „Südpanke Berlin“.

Eröffnung Jüdischer Garten

Mitte Oktober 2021 eröffnete die Berliner Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz Regine Günther den Jüdischen Garten in den Gärten der Welt in Berlin. Für die Gestaltung ist mitunter atelier le balto verantwortlich. Die Baukosten für den 2 000 Quadratmeter großen Garten betrugen rund zwei Millionen Euro. Hier geht’s zum Artikel: Jüdischer Garten.

Werner Düttmann. Berlin. Bau. Werk.

Außerdem wäre 2021 Werner Düttmann 100 Jahre alt geworden. Zu diesem Anlass waren seine 37 gebauten Projekte in einer Ausstellung zu sehen.

MVRDV, HdM, RMP Lenzen – Planungskoryphäen im Jahresrückblick 2021

Aber natürlich waren 2021 nicht nur aus Berlin spannende Neuigkeiten zu hören. Wir haben Ihnen hier die Planungshighlights 2021 nochmal zusammengefasst:

The Line: Neues Mega-City-Projekt in Saudi-Arabien

„The Line“ ist der erste Schritt in einem futuristischen Entwicklungsprojekt namens „NEOM“. Die utopisch geplante Bandstadt hat aber bereits die ersten Opfer gefordert. Mehr dazu hier: The Line.

Woven City à la BIG

Der Autohersteller Toyota will am Fuße des Mount Fuji in Japan auf 200 Hektar eine Smart-City-Modellmetropole mit dem schwungvollen Namen „Woven City“ bauen. Verantwortlich für den Entwurf ist die Bjarke Ingels Group – wer sonst?! Alles zum Projekt lesen Sie hier: Woven City.

Eröffnung 516 Meter lange Fußgängerbrücke in Portugal

Die schwindelerregende Attraktion „Arouca 516“ im Arouca Geopark ist eine der längsten Fußgängerhängebrücken weltweit. Sie wurde 2021 eröffnet. Zu den Bildern geht es hier: Arouca 516.

Eröffnung der Luma Arles: Atelier des Südens

Der spektakuläre Neubau der Luma-Stifung in Arles, ein Turm von Architekt Frank Gehry, ist ein Museum und Atelierbau zugleich. Es wurde 2021 eröffnet. Hier geht’s zu dem beeindruckenden Bauwerk: Luma Arles.

Eröffnung H. C. Andersen-Museum von Kengo Kuma

Der japanische Architekt Kengo Kuma entwarf das Museum H. C. Andersen-Hus, MASU Planning aus Kopenhagen entwickelten obendrein den passenden Märchengarten. Die Bilder finden Sie hier: Kengo Kuma.

Kritik für die Paketposthalle München von Herzog & de Meuron

Auf dem Areal der Münchner Paketposthalle soll ein neues Stadtquartier mit 1 100 Wohnungen und Büros für 3 000 Arbeitsplätzen entstehen. Doch die geplante Bebauung stieß und stößt weiterhin in der Münchner Stadtgesellschaft auf massive Kritik. Mehr dazu hier: Paketposthalle München.

Studie zum Fernbahntunnel Frankfurt

Eine Studie zeigte, dass auch ein Fernbahntunnel in Frankfurt machbar ist. Welche Verbesserungen sich dadurch im deutschen Schienennetz ergeben würden, lesen Sie hier: Fernbahntunnel Frankfurt.

Eröffnung Esperance Bridge – Brücke der Hoffnung

Die neue Esperance Bridge, die Moxon im Londoner Boomquartier King’s Cross gebaut hat, verbindet in mehrfacher Hinsicht seit 2021 alt und neu. Wie das aussieht, sehen Sie hier: Esperance Bridge.

In Planung: de Windwheel – Neue Ikone der Niederlande

Im Hafen von Rotterdam soll in den kommenden Jahren das „Dutch Windwheel“ entstehen. Das futuristische Projekt soll beides in einem sein: einerseits Windkraftanlage und andererseits bewohnbare Solar-Architektur. Alles zu der neuen Ikone, von der 2021 erstmals berichtet wurde, hier: de Windwheel.

In Arbeit: ADEPT baut Deutschlands größtes Holzgebäude

Im Auftrag des städtischen Immobilienentwicklers Sprinkenhof soll das dänische Architekturbüro ADEPT ein 34 000 Quadratmeter großes Verwaltungsgebäude aus Holz bauen. Den Entwurf stellen wir hier vor: Deutschlands größtes Holzgebäude.

In Arbeit: Fertighaus trifft auf MVRDV, Mannheim

In Zusammenarbeit mit dem Fertighaus-Anbieter „Traumhaus“ entwickelt MVRDV auf dem ehemaligen Gelände einer US-Kaserne in Mannheim ein autofreies Quartier. Der Grundstein wurde Mitte Juli 2021 gelegt. Alles zum Projekt „Traumhaus Funari“ lesen Sie hier: Fertighaus.

In Arbeit: Hamburger Senat nimmt Rahmenplan zu Stadteingang Elbbrücken an

Nach zwei Jahren Vorarbeit ist der Rahmenplan für das 80 Hektar große Gebiet zwischen nördlicher Veddel bis ins südliche Hammerbrook nun auch beim Hamburger Senat beschlossene Sache. Alles zum Projekt lesen Sie hier: Elbbrücken.

Kritik für Chipperfield in Düsseldorf

Die Signa-Gruppe will gemeinsam mit David Chipperfield Architects den Heinrich-Heine-Platz in Düsseldorf neugestalten. Ein großer Konfliktpunkt in der Düsseldorfer Stadtgesellschaft war 2021 dabei ein Lichthof, der nun mehrfach – insbesondere von der SPD-Fraktion – als „Loch“ bezeichnet wurde. Alles zum Entwurf und der Kritik: Düsseldorf David Chipperfield.

M+ Hongkong von Herzog & de Meuron und Vogt

Nach zehn Jahren Planzeit eröffnete zudem 2021 das Hongkonger Museum M+. Es ist ein Museum für Visuelle Kultur im West Kowloon Cultural District am Victoria Harbour in Hong Kong. Mehr dazu hier: M+ Hongkong.

In Planung: Candidplatz München – MVRDV neustes Hochhaus (mit Keller Damm Kollegen)

Den Münchner*innen ist der graue Betonkoloss am Candidplatz allen bekannt. An seiner Stelle soll nun nach den Plänen von MVRDV und Keller Damm Kollegen ein imposanter 64 Meter hoher Hochhausneubau entstehen: das Candid-Tor. Alles zum Entwurf einerseits und aktuellem Stand andererseits lesen Sie hier: Candidplatz München.

Jahresrückblick 2021: Abschied von einer Grande Dame – und damit meinen wir nicht Angela Merkel

Im Jahr 2021 feierten viele Personen und Büros tolle Erfolge. So wurde einerseits die Landschaftsarchitektin und Stadtplanerin Andrea Gebhard zur Präsidentin der Bundesarchitektenkammer gewählt. Julie Bargmann gewann andererseits den Cornelia-Hahn-Oberländer Preis. Michael Van Valkenburgh gewann wiederum mit seinem Team und dem Projekt Brooklyn Bridge Park in New York den Rosa Barba International Landscape Prize 2021. Leider mussten wir uns aber auch von langjährigen Wegbegleiter*innen verabschieden. So verstarb unter anderem die beeindruckende Cornelia Hahn Oberländer. Sie war die Namensgeberin des oben genannten Preises und in der Profession als  „Grande Dame der Landschaftsarchitektur“ bekannt. Anfang Juni 2021 nahmen zudem WES Abschied von ihrem geschäftsführenden Gesellschafter Peter Schatz und Anfang November 2021 verstarb Wilm Weppelmann im Alter von 64 Jahren. Außerdem verstarb Gottfried Böhm und damit eine der prägenden Figuren der deutschen Nachkriegsarchitektur.

2021 – echt. viele. Herausforderungen

Das Jahr 2021 war auch für die Redaktion G+L ein Besonderes. Wir sind mit unserem Verlagshaus Georg Media vor gut einem Jahr in unsere neuen Räumlichkeiten gezogen. Wir mussten bzw. durften uns von unserem altehrwürdigen Verlagshaus verabschieden. So hat sich auch unsere Büroumgebung 2021 der eines modernen Medienhauses angepasst. Das brachte neuen Spirit, verbesserte zudem Kommunikationswege und im Ergebnis zwölf spannende Hefte und unfassbar viele Online-Artikel, auf die wir alle sehr stolz sind. Doch machen diese Hefte und ihre Themen – wie Städtewachstum (G+L 04/21), Planung zwischen Stadt und Region (G+L 05/21), Die bunte Stadt (G+L 06/21), ACT NOW – gastkuratiert von bauchplan ).( (G+L 07/21), Gebäudegrün (G+L 10/21) und natürlich Schwammstadt (G+L 12/21) – auch ungeachtet dessen deutlich: Wir stellen uns in der Landschaftsarchitektur und Stadtplanung derzeit echt. vielen. Herausforderungen.

2021 – echt. viele. Herausforderungen

Das Jahr 2021 war auch für die Redaktion G+L ein Besonderes. Wir sind mit unserem Verlagshaus Georg Media vor gut einem Jahr in unsere neuen Räumlichkeiten gezogen. Wir mussten bzw. durften uns von unserem altehrwürdigen Verlagshaus verabschieden. So hat sich auch unsere Büroumgebung 2021 der eines modernen Medienhauses angepasst. Das brachte neuen Spirit, verbesserte zudem Kommunikationswege und im Ergebnis zwölf spannende Hefte und unfassbar viele Online-Artikel, auf die wir alle sehr stolz sind. Doch machen diese Hefte und ihre Themen – wie Städtewachstum (G+L 04/21), Planung zwischen Stadt und Region (G+L 05/21), Die bunte Stadt (G+L 06/21), ACT NOW – gastkuratiert von bauchplan ).( (G+L 07/21), Gebäudegrün (G+L 10/21) und natürlich Schwammstadt (G+L 12/21) – auch ungeachtet dessen deutlich: Wir stellen uns in der Landschaftsarchitektur und Stadtplanung derzeit echt. vielen. Herausforderungen.

Jahresrückblick 2021: Der Klimawandel ist nichts für Weicheier

Die Situation ist also erstens echt ernst und die Stimme derjenigen, die die tatsächlichen Lösungen in Sachen Klimaschutz und Klimaanpassung im gebauten Raum bieten könnten, zweitens zu leise. Aus diesem Grund haben wir uns in der G+L-Redaktion dazu entschlossen im Jahr 2022 ein neues Format auf den Weg zu bringen: ein neues Webmagazin namens „52 Thesen zur Stadtentwicklung“. Ganz im Sinne unserer Neujahrsvorsätze 2021/2022 also! Die erste These, die wir hier diskutieren, lautet daher auch ganz provokativ: „Der Klimawandel ist nichts für Weicheier.“ Das Webmagazin soll der Landschaftsarchitektur und Stadtplanung demzufolge ab dem kommenden Jahr eine Plattform bieten, Positionen zu definieren. Gleichzeitig soll die Öffentlichkeit für die aktuellen Herausforderungen im Bereich der Stadtentwicklung sensibilisiert werden. Denn das Großartige an Stadtentwicklung? Sie betrifft uns alle. Und wir können sie außerdem alle zu etwas Besserem gestalten. Am besten: gemeinsam.

Das könnte Sie auch interessieren
Eine lebendige städtebauliche Szene zum Thema Grz Bebauungsplan
Grz Bebauungsplan: Grundlagen, Ziele und Praxis
Ausstellung: Critical Care
Tile of Spain: Für die besten Plätze unter der Sonne
G+L 06/2020: Wasser in der Stadt
Grundplan des Projekts Ville Port
La Grande Motte – Umgestaltung zum 50-Jährigen
welcher von großen Bäumen und Hecken umrandet ist
Inklusions-Spielplatz in Regensburg eröffnet
weissbetongebaude-tagsuber-ftL41_lUeKY
Retentionsräume als Gestaltungselement – Hochwasserschutz mit Aufenthaltsqualität
Der Baukulturbericht 2024/25 zeigt, warum Infrastrukturen so wichtig sind und wie ihre Transformation gelingt. Quelle: Bundesstiftung Baukultur.Grafik: © Bundesstiftung Baukultur; Design: Heimann + Schwantes
Baukulturbericht 2024/25: Infrastruktur im Fokus
eine-parkbank-inmitten-eines-uppig-grunen-parks-_YM5Fw1W-10
Adaptive Stadtmöblierung durch Echtzeitdaten
Städte für Morgen 2019

Was ist ein Attention-Mechanismus? – Fokus bei Sprachmodellen erklärt

Schreibtisch mit Tastatur, Apple Pencil, Maus und Handy mit weißem Bildschirm, Symbol für moderne Technologien und KI.
Wie KI relevante Informationen filtert und Sprache versteht. Foto von Jakub Zerdzicki auf Unsplash.

Maschinen mit Aufmerksamkeit? Klingt nach Science-Fiction, ist aber längst die Realität in der KI-Welt: Ohne Attention-Mechanismus wären moderne Sprachmodelle so blind wie ein Stadtplan ohne Straßen. Doch was hat es wirklich mit diesem „Fokus“ auf sich? Wie funktioniert das Prinzip der Aufmerksamkeit in neuronalen Netzen – und warum ist es für Sprachmodelle so revolutionär?

  • Einführung in die Grundidee des Attention-Mechanismus und seine Bedeutung für KI und Sprachmodelle
  • Erklärung, wie Attention neuronalen Netzen hilft, relevante Informationen im Datenstrom zu gewichten
  • Technische Funktionsweise von Attention, insbesondere im Kontext von Transformern
  • Vergleich zu klassischen Methoden ohne Attention und deren Limitationen
  • Praxisbeispiele: Wie Attention die Qualität von Übersetzungen, Textgenerierung und Sprachverständnis verbessert
  • Bedeutung von Attention für erklärbare KI und Transparenz in komplexen Systemen
  • Potenziale und Risiken: Von Bias bis Interpretierbarkeit
  • Einordnung, warum Attention-Mechanismen für die Zukunft von Stadtentwicklung, Planung und Architektur relevant sind

Worum geht es beim Attention-Mechanismus? – Die Revolution im Maschinenlernen

Der Begriff „Attention-Mechanismus“ klingt zunächst nach einer modischen Floskel aus der KI-Welt – dabei handelt es sich um eine der fundamentalsten Innovationen der letzten Jahre im Bereich des maschinellen Lernens. Aufmerksamkeit, wie wir sie aus der menschlichen Wahrnehmung kennen, ist die Fähigkeit, aus einem Überangebot an Reizen gezielt die relevanten herauszufiltern. Ob beim Überqueren einer belebten Kreuzung oder beim Lesen eines umfangreichen Berichts: Ohne selektive Fokussierung wären wir verloren. Genau diese Eigenschaft versucht der Attention-Mechanismus in künstlichen neuronalen Netzen zu imitieren.

Im Kern bedeutet Attention, dass ein Modell nicht alle Eingabedaten gleich behandelt, sondern bestimmten Teilen mehr „Aufmerksamkeit“ schenkt. In der Praxis heißt das: Ein Sprachmodell, das einen Text analysiert, kann erkennen, welche Wörter oder Satzteile für die aktuelle Aufgabe besonders relevant sind – und darauf seine Rechenleistung konzentrieren. Das klingt unspektakulär, ist aber ein Paradigmenwechsel. Denn herkömmliche neuronale Netze, wie etwa klassische LSTM- oder GRU-Modelle, verarbeiten Daten in fester Reihenfolge und haben Mühe, langfristige Abhängigkeiten zu erkennen. Attention hingegen springt flexibel durch den Datenstrom, wie ein aufmerksamer Leser durch einen komplexen Fachartikel.

Die Wurzeln der Idee finden sich in den 2010er Jahren, als Forscher erkannten, dass bei Übersetzungsaufgaben nicht jedes Wort im Ausgangstext gleich wichtig für die Übersetzung ist. Vielmehr variiert der Kontext: Manchmal ist ein entferntes Subjekt entscheidend, manchmal eine lokale Zeitangabe. Der Attention-Mechanismus wurde entwickelt, um genau dieses Problem zu lösen: Das Modell berechnet für jedes Element im Eingabetext eine Art Gewichtung, die angibt, wie viel Fokus es verdient. Das Resultat: Übersetzungen werden präziser, Texte kohärenter, Zusammenfassungen treffender.

Im weiteren Verlauf der KI-Entwicklung wurde Attention zu einem Grundbaustein moderner Architekturen, allen voran den sogenannten Transformern. Diese Modelle, zu denen auch GPT, BERT oder T5 zählen, verdanken ihre Leistungsfähigkeit und Flexibilität dem ausgefeilten Einsatz von Attention-Schichten. Die Modelle sind dadurch in der Lage, kontextuelle Beziehungen – etwa zwischen Anfang und Ende eines Satzes – zu erfassen, ohne aufwendig Informationen durch die gesamte Netzwerkstruktur schleifen zu müssen.

Der Erfolg der Attention-Mechanismen in der KI ist so durchschlagend, dass sie mittlerweile weit über den Sprachbereich hinaus eingesetzt werden: Von der Bildanalyse über die Musikverarbeitung bis hin zur Simulation urbaner Prozesse profitieren viele Disziplinen von der Fähigkeit, relevante Muster gezielt zu erkennen. Doch wie funktioniert das Prinzip technisch und warum ist es so mächtig?

Wie funktioniert Attention technisch? – Von Gewichten, Matrizen und Fokus

Um die technische Funktionsweise des Attention-Mechanismus zu verstehen, lohnt ein Blick unter die Haube moderner Sprachmodelle. Die zentrale Idee ist überraschend einfach – und doch tiefgründig: Jedes Element einer Eingabesequenz (zum Beispiel ein Wort im Satz) wird nicht mehr als statische Größe betrachtet, sondern in Relation zu allen anderen Elementen gewichtet. Das geschieht mithilfe von sogenannten Attention Scores, die angeben, wie stark ein Element auf ein anderes „achtet“.

Im Detail läuft das so ab: Zunächst wird jeder Token (also jedes Wort oder Satzzeichen) in einen mathematischen Vektor übersetzt. Dann berechnet das Modell für jedes Token drei spezielle Vektoren: Query, Key und Value. Diese Begriffe stammen aus der Informationstechnik und lassen sich sinngemäß als Anfrage, Schlüssel und Wert übersetzen. Der Query-Vektor fragt nach Informationen, der Key-Vektor gibt an, welche Informationen ein Token bereitstellt, und der Value-Vektor enthält den eigentlichen Inhalt.

Die Magie geschieht nun durch die Berechnung der sogenannten Dot-Product-Attention. Dabei werden für jeden Query alle Keys der übrigen Tokens betrachtet, um zu bestimmen, wie stark die Beziehung ist. Das Ergebnis ist eine Matrix von Scores, die mit einer Softmax-Funktion normalisiert wird. So entstehen für jedes Token individuelle Gewichtungen, die bestimmen, wie viel Aufmerksamkeit auf die anderen Tokens verteilt wird. Anschließend werden die Value-Vektoren mit diesen Gewichten verrechnet – und heraus kommt eine Art „angereicherte“ Repräsentation jedes Tokens, die den gesamten Kontext mit einbezieht.

Ein besonderes Highlight ist das Konzept der Multi-Head Attention. Hierbei werden mehrere Attention-Mechanismen parallel eingesetzt, die jeweils unterschiedliche Beziehungen und Muster erkennen. Eine Attention-„Kopf“ könnte zum Beispiel nach grammatischen Strukturen suchen, während ein anderer semantische Zusammenhänge analysiert. Das Ergebnis wird am Ende zusammengeführt, was die Kontextualisierung noch präziser macht.

Der Clou: Durch diese Architektur können Sprachmodelle auf einen Blick – oder besser gesagt: in einem Rechenschritt – alle relevanten Beziehungen in einem Text erfassen. Das ist nicht nur effizienter als frühere Ansätze, sondern auch skalierbar. Mit mehr Daten und mehr Rechenleistung wächst die Leistungsfähigkeit der Modelle beinahe exponentiell. Kein Wunder, dass Transformer-Modelle mit Attention heute die Königsklasse der KI darstellen.

Warum ist Attention so ein Gamechanger für Sprachmodelle?

Die Einführung von Attention-Mechanismen hat die Entwicklung von Sprachmodellen auf den Kopf gestellt. Früher waren neuronale Netze zwar in der Lage, Texte zu verarbeiten, doch sie hatten erhebliche Schwächen: Sie vergaßen schnell, was am Anfang eines langen Satzes stand, und konnten komplexe Zusammenhänge kaum abbilden. Das führte zu holprigen Übersetzungen, inkohärenten Texten und begrenztem Verständnis für Kontext.

Mit Attention wurde das anders. Modelle wie BERT, GPT oder T5 können nun nicht nur einzelne Wörter oder lokale Phrasen betrachten, sondern den gesamten Kontext eines Textes in die Berechnung einbeziehen. Das heißt: Ein Wort am Satzanfang hat genauso viel Einfluss auf das Ergebnis wie eines am Satzende – wenn es relevant ist. Diese Fähigkeit, auf beliebige Teile eines Textes zu „springen“ und dort gezielt Informationen zu extrahieren, macht moderne Sprachmodelle so leistungsfähig.

Ein weiteres großes Plus: Attention-Mechanismen sind interpretiertbar. Das bedeutet, dass Fachleute nachvollziehen können, warum ein Modell eine bestimmte Entscheidung getroffen hat – zumindest in gewissem Maße. Die Attention Scores zeigen an, welche Wörter oder Satzteile das Modell als besonders wichtig erachtet hat. Das ist ein Quantensprung in Sachen Transparenz, denn bisher galten neuronale Netze oft als „Black Boxes“, deren innere Logik niemand verstand.

In der Praxis zeigt sich die Wirkung von Attention überall dort, wo komplexe Sprachaufgaben gelöst werden müssen. Bei Übersetzungen sorgt der Mechanismus dafür, dass die Wortstellung korrekt bleibt und Bedeutungsnuancen erhalten bleiben. In der Textzusammenfassung werden die wichtigsten Informationen extrahiert, ohne dass Details verloren gehen. Und bei der Beantwortung von Fragen kann das Modell gezielt nach relevanten Passagen suchen, anstatt den gesamten Text zu durchsuchen.

Der Erfolg der Attention-Mechanismen ist so umfassend, dass sie heute als Standard gelten. Kein modernes Sprachmodell kommt mehr ohne sie aus. Die Fähigkeit, flexibel zu fokussieren und relevante Informationen zu extrahieren, ist inzwischen das Herzstück jeder fortschrittlichen KI-Anwendung. Doch Attention ist nicht nur ein technischer Trick – sondern ein neues Paradigma des maschinellen Lernens.

Von der Black Box zum Leuchtturm: Attention, Transparenz und Herausforderungen

Mit der Verbreitung von Attention-Mechanismen stellt sich unweigerlich die Frage nach deren Auswirkungen auf Transparenz, Kontrolle und Fairness von KI-Systemen. Einerseits bieten die Attention Scores einen Einblick in die Funktionsweise der Modelle: Sie zeigen, welche Teile eines Textes das Modell als wichtig erachtet und wie es zu seinen Schlüssen kommt. Das ist insbesondere für Fachleute aus Recht, Verwaltung und Stadtplanung ein enormer Vorteil. Denn wer Entscheidungen nachvollziehen kann, kann sie auch besser steuern, kontrollieren und erklären.

Doch die Medaille hat eine Kehrseite. Attention-Scores sind zwar hilfreich, aber keine Garantie für vollständige Interpretierbarkeit. Sie zeigen lediglich, worauf das Modell „achtet“ – nicht aber, warum es dies tut. Zudem können Attention-Mechanismen durch Trainingsdaten beeinflusst werden und bestimmte Muster verstärken, die nicht immer sinnvoll oder fair sind. Das Risiko von Bias, also unbeabsichtigten Verzerrungen in den Ergebnissen, bleibt bestehen.

Ein weiteres Problem ist die Komplexität der Modelle. Je größer und leistungsfähiger ein Sprachmodell wird, desto undurchschaubarer wird seine innere Logik. Zwar lassen sich Attention-Scores visualisieren und auswerten, doch bei Hunderten oder Tausenden von Attention-Heads verliert selbst der erfahrenste Fachmann schnell den Überblick. Es braucht also neue Methoden und Werkzeuge, um die Transparenz großer KI-Systeme zu gewährleisten.

Trotz dieser Herausforderungen ist Attention ein wichtiger Schritt hin zu erklärbarer KI. Die Möglichkeit, den Fokus des Modells nachzuvollziehen, hat die Akzeptanz und das Vertrauen in maschinelles Lernen deutlich erhöht. Insbesondere in sensiblen Bereichen wie Justiz, Medizin oder Stadtentwicklung ist das ein entscheidender Vorteil. Denn hier geht es nicht nur um technische Exzellenz, sondern auch um gesellschaftliche Verantwortung.

Für Praktiker bedeutet das: Wer KI-Systeme in Planung, Verwaltung oder Architektur einsetzt, sollte die Funktionsweise von Attention verstehen – und die damit verbundenen Chancen und Risiken abwägen. Nur so lässt sich sicherstellen, dass Technologie nicht zum Selbstzweck wird, sondern echten Mehrwert für Menschen und Städte schafft.

Attention und Stadtentwicklung – Was Sprachmodelle mit urbaner Planung zu tun haben

Vielleicht fragen sich Planer, Architekten und Stadtentwickler jetzt: Was hat das alles mit meiner Arbeit zu tun? Die Antwort: Eine ganze Menge. Denn Attention-Mechanismen sind nicht nur in Sprachmodellen zu finden, sondern überall dort, wo komplexe Zusammenhänge erfasst und relevante Informationen herausgefiltert werden müssen. In der Stadtplanung etwa sind es genau solche Mechanismen, die im Hintergrund von Simulationsmodellen und Entscheidungsunterstützungssystemen laufen.

Stellen wir uns einen Digital Twin einer Stadt vor, der auf Echtzeitdaten aus Verkehr, Klima, Energieverbrauch und Bürgerbeteiligung zugreift. Auch hier muss das System ständig entscheiden, welche Daten gerade relevant sind und wie sie zu gewichten sind. Attention-Mechanismen ermöglichen es solchen Modellen, aus dem Datenrauschen gezielt Muster zu extrahieren, die für eine bestimmte Planungsfrage ausschlaggebend sind. So können zum Beispiel bei der Simulation einer neuen Straßenführung nicht nur aktuelle Verkehrsströme, sondern auch historische Daten, Wetterprognosen und städtebauliche Besonderheiten in die Analyse einfließen.

Auch in der Beteiligung von Bürgern an Planungsprozessen spielt Attention eine Rolle. Moderne KI-gestützte Tools können aus einer Vielzahl von Kommentaren, Vorschlägen und Einwänden jene herausfiltern, die für den weiteren Prozess besonders relevant sind. Das spart nicht nur Zeit, sondern erhöht auch die Qualität der Entscheidungsgrundlagen. Die Kunst besteht darin, die Aufmerksamkeit des Systems auf die wirklich wichtigen Aspekte zu lenken – ganz wie bei Sprachmodellen.

Darüber hinaus eröffnen Attention-Mechanismen neue Möglichkeiten für die Entwicklung intelligenter, adaptiver Stadtmodelle. Sie können helfen, in großen Datenmengen frühzeitig Trends und Risiken zu erkennen, etwa bei der Klimaanpassung, der Verkehrssteuerung oder der Ressourcenplanung. Wer die Prinzipien von Attention versteht, kann solche Systeme gezielt einsetzen – und ihre Ergebnisse kritisch hinterfragen.

Fazit: Attention ist weit mehr als ein technischer Kniff für Computerlinguisten. Es ist ein Fundament für alle, die im Zeitalter der datengetriebenen Stadtentwicklung bestehen wollen. Denn nur wer die Aufmerksamkeit seiner Werkzeuge kontrolliert, behält auch die Kontrolle über die Stadt von morgen.

Fazit: Ohne Aufmerksamkeit läuft nichts – weder bei Menschen noch bei Maschinen

Der Attention-Mechanismus hat die Welt der künstlichen Intelligenz revolutioniert – und ist aus modernen Sprachmodellen nicht mehr wegzudenken. Seine Fähigkeit, flexibel auf relevante Informationen zu fokussieren, hat nicht nur die Qualität von Übersetzungen, Textgenerierung und Sprachverständnis dramatisch verbessert, sondern auch den Weg für neue Anwendungen in der Stadtplanung, Architektur und Verwaltung geebnet. Attention steht für ein neues Paradigma im maschinellen Lernen: Es geht nicht mehr nur um rohe Rechenkraft, sondern um gezielten, kontextsensitiven Fokus, der echte Mehrwerte schafft.

Gleichzeitig wirft Attention Fragen auf: nach Transparenz, Fairness und Kontrolle. Wer KI-Systeme in sensiblen Bereichen einsetzt, muss die Logik der Aufmerksamkeit verstehen – und bereit sein, sie kritisch zu hinterfragen. Nur so lässt sich verhindern, dass Technologie zum undurchsichtigen Orakel wird, dessen Entscheidungen niemand mehr nachvollziehen kann.

Für die Stadtentwicklung der Zukunft ist das Prinzip der Aufmerksamkeit ein Schlüssel: Es ermöglicht, aus der Datenflut gezielt die relevanten Informationen herauszufiltern und in intelligente, nachhaltige Entscheidungen zu überführen. Wer die Mechanismen dahinter kennt, bleibt handlungsfähig – und gestaltet die digitale Transformation aktiv mit. Denn eines ist sicher: Ob Mensch oder Maschine, ohne Aufmerksamkeit bleibt das Wesentliche unsichtbar.

Battersea Power Station: Die Landschaftsarchitektur

Foto: Peter Landers

Auf rund 42 Hektar entsteht in London gerade ein neues Quartier. Im Zentrum: die Battersea Power Station. Der denkmalgeschützte Bau, dessen neues Konzept die Architekten*innen von WilkinsonEyre entworfen haben, ist seit Oktober 2022 erstmals für die Öffentlichkeit zugänglich. Für die Grünflächen des Projekts ist das Landschaftsarchitekturbüro LDA Design verantwortlich.

Foto: Jason Hawkes
Foto: Jason Hawkes

Die Battersea Power Station

Seit Oktober 2022 besitzt London eine neue Attraktion: Das frühere Kraftwerk Battersea Power Station, ein ikonisches Bauwerk, ist nun öffentlich zugänglich. Über das letzte Jahrzehnt wurde das riesige Gebäude, das unter Denkmalschutz steht, aufwändig saniert und renoviert. Nun stellt es eine lebhafte Nachbarschaft mit gemischter Nutzung dar. Im Kraftwerk selbst gibt es sowohl Wohnraum als auch ein Einkaufszentrum mit vielen gehobenen Marken, einem Kino und weiteren Aktivitäten. Einer der vier Schornsteine lässt sich per Aufzug erklimmen und von oben ist ein schöner Blick auf London garantiert.

© Studios Ltd
© Studios Ltd

Sowohl Anwohner*innen als auch Tourist*innen und Londoner*innen sind hier herzlich willkommen. Zahlreiche Läden, aber auch Bars, Restaurants, Entertainment-Angebote, Parks und historische Sehenswürdigkeiten führen zu großer Vielfalt. Auf einer Fläche von insgesamt etwa 42 Hektar befindet sich die Kombination aus Kraftwerk, umgebenden Gebäuden von Namen wie Norman Foster, und viel öffentlicher Raum.

Die Stadtreparatur rund um Battersea hat insgesamt 9 Milliarden Pfund gekostet. Das Ergebnis ist ein visionärer neuer Stadtteil direkt am Ufer der Themse. Über 4 000 Wohnungen, Büros, Restaurants und Kultur- und Freizeiteinrichtungen sollen hier in den nächsten Jahren zu finden sein. Mit einer neuen U-Bahn-Station wurde die Battersea Power Station bereits an das öffentliche Verkehrsnetz angebunden. Sie ist nun Teil der Northern Line.

© Peter Landers
© Peter Landers

Grünflächen der Battersea Power Station

Die Architekt*innen von WilkinsonEyre arbeiteten eng mit der Battersea Power Station Development Company zusammen. Dahinter stehen Investor*innen aus Malaysia. Das gesamte Projekt eröffnete am 14. Oktober 2022. Von den acht geplanten Phasen, zu denen jeweils neue Grünflächen gehören, sind bereits drei Phasen komplett:

  • die „Brown Roofs“ / Circus West Village (Phase I, eröffnet)
  • der öffentliche Park und die privaten Dachgärten der Bewohner*innen / Battersea Power Station (Phase II, eröffnet)
  • weitere Wohnmöglichkeiten und Dachgärten / Battersea Roof Gardens & Prospect Place (Phase III)

Weitere fünf Phasen stehen noch aus. Dazu gehört insbesondere mehr Wohnraum, denn von den 4 239 geplanten Einheiten sind derzeit (November 2022) erst 1 600 fertig. Vollbepflanzte Gärten auf den Dächern und um das Kraftwerk herum zeigen, dass auch die Außenanlagen rund um das Kraftwerk neu gedacht sind.

Die Landschaftsarchitekt*innen von LDA Design renaturierten unter anderem das frühere Kohlelager vor dem Kraftwerk. Auch die Fläche, die früher für Gleisanschlüsse diente, ist heute ein Park. Materialien wie Holz, Stahl und schwarz gesprenkelter Beton, der an Kohle erinnert, weisen auf die industrielle Vergangenheit der Power Station hin.

Übrigens lesen Sie mehr über die Architektur bei unseren Kolleg*innen von Baumeister: Battersea Power Station.

Mehr als ein Gebäude

Laut Ben Walker, Direktor und Leiter des Londoner Studios von LDA, ist Battersea Power Station zum ersten Mal in seiner Geschichte mehr als nur ein Gebäude. Stattdessen ist es ein „einladender, gut vernetzter Ort“. LDA Design wurde vor über zehn Jahren eingeladen, das Megaprojekt zu unterstützen. Damals war das Kraftwerk eine Ruine inmitten einer 17 Hektar großen Brachfläche. Die Herausforderung bestand darin, einen Ort für Menschen und für die Natur zu schaffen. Außerdem sollte sich der neue Stadtteil in die umliegende Nachbarschaft einfügen.

Mit der Landschaftsarchitektur will LDA Design den Gemeinschaftssinn des Viertels unterstützen. Gleichzeitig sollte die Gestaltung den fast monumentalen Standard der Battersea Power Station abmildern. Die wichtigsten Grundsätze für die Landschaftsarchitektur waren Wohlbefinden, Nachhaltigkeit, Integration, kulturelles Erbe und Biodiversität. Um dies zu erreichen, war es besonders wichtig, dass die Menschen das Potenzial der Umgebung frühzeitig erleben können. Ein Pop-up-Park lud bereits 2013 dazu ein, sich der Battersea Power Station zu nähern. Die Landschaftsarchitekten von LDA testeten dabei Faktoren wie Aussichtspunkte, Aktivitäten und einen Streichelzoo.

© Peter Landers
© Peter Landers

Fast die Hälfte von Battersea Power Station ist öffentlicher Raum. Dieser ist sehr gut erschlossen. Die vielen Millionen Gäste, die jedes Jahr erwartet werden, sollen sich hier zurückziehen und entspannen können. Dies ist im Power Station Park direkt an der Themse, am Malaysia Square, aber auch in ruhigeren Gärten und auf den Dächern möglich. Besonders schöne Ausblicke auf das Gebäude gibt es von den großen Wiesen. Hier können sich die Besuchenden ins Gras legen oder auf einem der beweglichen Stühle ausruhen.

© Peter Lander
© Peter Lander

Ökologische Vielfalt

Mehr als ein Hektar der Grünflächen rund um die Battersea Power Station ist mit einer artenreichen Bepflanzung versehen, die für Bestäuber und Wildtiere attraktiv ist. Weitere Flächen sollen folgen. Stauden, Blumen und Bäume sorgen für Struktur und Farbe sowie für ein saisonal wechselndes Interesse. Der Schwerpunkt liegt auf der Klimabeständigkeit der Umwelt.

Präriegräser tragen dazu bei, den menschlichen Maßstab zu betonen. Es gibt mindestens 95 verschiedene Vogelarten, darunter Hausrotschwänze, Stieglitze und Bachstelzen. Ein Wanderfalkenpaar nistet im nordöstlichen Schornstein der Battersea Power Station.

Schon jetzt lohnt sich ein Besuch der Battersea Power Station, wenn man in London ist. Und in den nächsten Jahren werden hier sicher noch viele weitere attraktive Grünflächen entstehen. Ein spannendes Beispiel für einen neuen Stadtteil!

Vom neuen Quartier in Großbritanniens Hauptstadt zu einem neuen Quartier in unserer Hauptstadt: Stadtteil Pankower Tor in Berlin.